Nachhaltigkeit und Nachhaltige Entwicklung

Eine Übersicht unterschiedlicher Begriffsdefinitionen



1713

Hans Carl von Carlowitz, Sylvicultura Oeconomica, 1713

„Wo Schaden aus unterbliebener Arbeit kommt, da wächst der Menschen Armuth und Dürfftigkeit. Es lässet sich auch der Anbau des Holzes nicht so schleunig wie der Acker-Bau tractiren; … Wird derhalben die größte Kunst, Wissenschaft, Fleiß, und Einrichtung hiesiger Lande darinnen beruhen, wie eine sothane Conservation und Anbau des Holzes anzustellen, daß es eine continuirliche beständige und nachhaltende Nutzung gebe, weiln es eine unentbehrliche Sache ist, ohnewelche das Land in seinem Esse nicht bleiben mag.“

Link

1980

R. Allen, World conservation strategy. Living resource conservation for sustainable development, 1980

"Nachhaltige Entwicklung ist eine Entwicklung, die dazu geeignet ist, eine dauerhafte Befriedigung menschlicher Bedürfnisse und eine Verbesserung der menschlichen Lebensqualität zu verwirklichen."

Link

1987

Weltkommission für Umwelt und Entwicklung ("Brundtland-Kommission"), 1987

(übernommen u.a. in "Perspektiven für Deutschland", Nachhaltigkeitsstrategie der BRD 2002)

"Nachhaltige Entwicklung ist eine Entwicklung, die den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen."

"Sustainable development is development that meets the needs of the present without compromising the ability of future generations to meet their own needs."

Link

1987

Robert Goddland/ George Ledec, Neoclassical Economics and Principles of Sustainable Development, Ecological Modeling, 1987

"Nachhaltige Entwicklung ist ein Modell für soziale und struktur-ökonomische Umgestaltung, welche die ökonomischen und gesellschaftlichen Vorteile der jetzt lebenden Menschen optimiert, ohne das wahrscheinliche Potential für ähnliche Vorteile in der Zukunft zu gefährden."

1988

William E. Rees, 1988

"Nachhaltige Entwicklung ist ein positiver sozio-ökonomischer Wandel, der die ökologischen und sozialen Systeme nicht schwächt, von denen die Gesellschaft und ihre Teilgruppen abhängig sind."

Link

1991

Saving the Planet: How to Shape an Environmentally Substainable Global Economy, Lester R. Brown, Christopher Flavin und Sandra Postel, 1991

"Nachhaltige Entwicklung ist unbegrenztes Überleben der menschlichen Spezies, Lebensqualität über ein rein biologisches Überleben hinaus und die Fortdauer aller Komponenten der Biosphäre, auch der Bestandteile, die anscheinend keinen Vorteil für die Menschheit bieten."

1992

Robert Solow, 1992

"Nachhaltige Entwicklung ist ein Prinzip, das auf die Anordnung hinauslaufen muss, die Produktionskapazität für eine unbestimmte Zukunft zu schützen."

1992

Meadows u.a.: Die neuen Grenzen des Wachstums, 1992

"Nachhaltige, Nachhaltigkeit: siehe Aufrechterhaltbar, Aufrechterhaltbarkeit:

Zustand eines Systems, das sich so verhält, dass es (nach menschlichem Ermessen) über unbeschränkte Zeit ohne grundsätzliche oder unsteuerbare Veränderungen (...) im Rahmen der gegebenen Umwelt existenzfähig bleibt und vor allem nicht in den Zustand der Grenzüberziehung gerät. Aufrechterhaltbarkeit ist ein inoffizieller Begriff und gibt die amerikanische Bezeichnung "sustainability" wieder. Der analoge deutsche Begriff ist Nachhaltigkeit, der jedoch in manchen Wendungen und syntaktischen Zusammenhängen irreführend wirken kann."

Link

1993

Blueprint for a green economy, Pearce, D., Markandya, A., Barbier, E. B., 1993

"Nachhaltige Entwicklung ist die Konstanz des natürlichen Kapitalstocks und die Möglichkeit, auch zukünftig von dessen Zinsen zu leben."

1993

Akademie für Technikfolgenabschätzung, 1993

"Nachhaltige Entwicklung ist ein Konzept, das darauf ausgerichtet ist, dass die natürliche Umwelt und der damit verbundene Kapitalstock an natürlichen Ressourcen so weit erhalten werden muss, dass die Lebensqualität zukünftiger Generationen gewährleistet bleibt."

Link

1996

Verband Chemische Industrie, 1996

"Sustainable development ist der Versuch, dringende Probleme strategiegeleitet zu lösen."

Link

1998

Rot-Grüner Koalitionsvertrag, 1998

"Wir orientieren uns am Leitbild der Nachhaltigkeit. Die Agenda 21 ist dafür unsere wichtigste Grundlage. Unser Ziel ist eine nachhaltige, das heißt wirtschaftlich leistungsfähige, sozial gerechte und ökologisch verträgliche Entwicklung. Die Entwicklung und Einführung neuer produktionsintegrierter und damit an den Ursachen der Umweltzerstörung ansetzender Technologien und Verfahren sowie innovativer Produkte und Dienstleistungen wird zur Schaffung von zukunftsfähigen Arbeitsplätzen beitragen."

Link

1999

Beschluss der Deutschen Bundesregierung aus dem Jahr 1999

"Eine Politik zu Beginn des 21. Jahrhunderts muss neu gedacht und formuliert werden. Die neue Politik verlangt neue Zieldefinitionen, die globale und langfristige Problemstellungen berücksichtigen, die Ökonomie, Ökologie und soziale Gerechtigkeit zu einer nachhaltigen Entwicklung verbinden. Diese Erkenntnis hat sich seit dem Erdgipfel in Rio durchgesetzt. Die Agenda 21 ist Hoffnung und Verpflichtung zugleich für eine zukunftsweisende Politik. Die Bundesrepublik und die Europäische Union müssen im Sinne einer friedlichen und sozialen Entwicklung der Welt Vorreiter einer nachhaltigen Entwicklung werden."

Link

2000

Studien der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zur Nachhaltigkeit, 2000

"Der Begriff der nachhaltigen Entwicklung verknüpft also ethische Anliegen des Umweltschutzes und der Entwicklungspolitik. Gesellschaftliche, wirtschaftliche und damit auch landwirtschaftliche Strukturen sollen in der Weise zukunftsfähig gestaltet werden, dass künftigen Generationen keine Hypotheken hinterlassen werden, die ihre Existenzbedingungen unzumutbar oder gar irreversibel belasten. Der Begriff der Nachhaltigkeit schließt damit den Gedanken der Vorsorge und den Versuch mit ein, Handlungsspielräume für zukünftige Generationen offen zu halten."

Link

2001

Rat für nachhaltige Entwicklung, 2001

"Nachhaltige Entwicklung heißt, Umweltgesichtspunkte gleichberechtigt mit sozialen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu berücksichtigen. Zukunftsfähig wirtschaften bedeutet also: Wir müssen unseren Kindern und Enkelkindern ein intaktes ökologisches, soziales und ökonomisches Gefüge hinterlassen. Das eine ist ohne das andere nicht zu haben."

Link

2007

Nachhaltigkeitsmanagement in Unternehmen, econsense 2007

"Die Unternehmensführung steht vor der Aufgabe, ein Nachhaltigkeitsmanagement aufzubauen, das ökologische und soziale Anliegen wirksam und effizient befriedigt und deren Management in das konventionelle ökonomische Management integriert."

Link

2011

E. Fleischhacker, Planungsverband Zillertal (Integratives Nachhaltigkeitsmodell), 2011

"Eine nachhaltige Entwicklung erfordert das gleichzeitige und gleichberechtigte Umsetzen von umweltbezogenen, sozialen und wirtschaftlichen Zielen. Diese "Säulen der Nachhaltigkeit" stehen miteinander in Wechselwirkung und bedürfen langfristig einer ausgewogenen Koordination.

Nachhaltigkeit wird heute nicht mehr einseitig ökologisch gesehen, sondern als ganzheitliches Zukunftsmodell, das ökologische, ökonomische und soziale Aspekte abgestimmt, ausgewogen und gleichberechtigt berücksichtigt.

Das Zukunftskonzept der Nachhaltigkeit fordert von den AkteurInnen der ökologischen, ökonomischen und sozialen Dimension daher die gegenseitige Akzeptanz ihrer jeweiligen Interessenshaltungen. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit partizipativer, konsensorientierter und dialogfördernder Methoden zur Umsetzung von Nachhaltigkeit."

Link

2011

Wikipedia 2011

"Sustainability is the capacity to endure. For humans, sustainability is the long-term maintenance of well being, which has environmental, economic, and social dimensions, and encompasses the concept of union, an interdependent relationship and mutual responsible position with all living and non living things on earth. This philosophical interpretation moves well beyond definitions driven by progress oriented economic perspectives that see humans as providing stewardship, the responsible management of resource use."

Link

"Das Konzept der Nachhaltigkeit beschreibt die Nutzung eines regenerierbaren Systems in einer Weise, dass dieses System in seinen wesentlichen Eigenschaften erhalten bleibt und sein Bestand auf natürliche Weise regeneriert werden kann."

Link

2011

Incite 2011

"We define sustainability as 'an approach to creating value that sustains or enhances the systems on which that value depends'."

Link

2012

Gabler Wirtschaftslexikon, 2012

"II. Wirtschaft:
Das in der Forstwirtschaft seit Jahrhunderten angewandte Prinzip der Nachhaltigkeit ist unter dem Aspekt der Ökonomik als Art des Wirtschaftens zu bezeichnen, bei welcher derzeitige Bedürfnisse befriedigt werden, ohne zukünftigen Generationen die Lebensgrundlagen zu entziehen (Sustainable Development). Kennzeichnung durch langfristig orientiertes Denken und Handeln, um ein Fließgleichgewicht der natürlichen Ressourcen zu erreichen."

Link


Michael Ryba, Oktober 2011

michael.ryba [at] bearingpoint.com [Impressum]