Nachhaltigkeitskommunikation ist eine Herausforderung für Energieversorger

Mehr als jeder zweite Kunde legt Wert auf Nachhaltigkeitsaspekte bei der Versorger-Wahl / Reports der Anbieter stoßen auf Skepsis


Studie zeigt: Ziele werden nur teilweise erreicht

Zunehmendes Umweltbewusstsein und wachsender Energiebedarf sowie der beschlossene Ausstieg aus der Atomkraft fordern Energieversorger heraus, Nachhaltigkeitsaspekte verstärkt in ihrer Unternehmensstrategie zu verankern - und gegenüber allen relevanten Stakeholdern zu kommunizieren. Das gelingt bislang nur bedingt. Eine im Rahmen der Studie durchgeführte Befragung unter 45 Energieversorgern und 350 privaten Endverbrauchern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zeigt:

  • Knapp 60 Prozent der Energieversorger haben eine Nachhaltigkeitsstrategie formuliert. Im Rahmen eines Umwelt-, CSR-, Fortschritts- oder kombinierten Geschäfts- und Nachhaltigkeitsberichts informieren viele Unternehmen über entsprechende Maßnahmen und erste Erfolge.
  • Fast alle Unternehmen (90 Prozent) wollen dadurch mit Interessengruppen in den Dialog treten und sehen den privaten Kunden als wichtigen Adressaten an.

Verbraucher haben aber nur wenig Interesse an den angebotenen Nachhaltigkeitsreports: Zwar spielen Nachhaltigkeitsaspekte für mehr als 60 Prozent der befragten Kunden eine Rolle bei der Wahl ihres Energieversorgers. Auf der Suche nach Informationen nutzen sie jedoch häufig Drittquellen wie Internetportale. Den offiziellen Nachhaltigkeitsreport ihres Anbieters kennen 63 Prozent der Verbraucher nicht. Nur zwölf Prozent haben ihn gelesen.

Verbraucher sind skeptisch gegenüber Nachhaltigkeitsberichten

Verbraucher sind nicht von der Glaubwürdigkeit der Nachhaltigkeitsinformationen der Anbieter überzeugt: Nur ein knappes Viertel der Befragten, die die Berichte kennen, vertraut den Angaben. Grund sind unterschiedliche Erwartungen an die Inhalte: Während Versorger meist auf das soziale Engagement und Corporate Citizenship (knapp 80 Prozent) fokussieren, interessieren sich Verbraucher insbesondere für Informationen zu aktuellen Fragestellungen der Energieversorgung und -sicherheit; Aspekte, die von den Energieversorgern bislang nur wenig oder unkonkret beleuchtet werden.

Mit Strategie und messbaren Ergebnissen überzeugen

Nach Ansicht der befragten Kunden können Energieversorger die Glaubwürdigkeit ihrer Nachhaltigkeitsberichte vor allem durch Fakten über bereits Erreichtes, zum Beispiel die Senkung des CO2-Ausstoßes, erhöhen. Auch die Verwendung von Berichtsstandards wie GRI (Global Reporting Initiative) oder Global Compact sowie eine Einschätzung externer Experten schaffen Vertrauen. Wichtig ist Verbrauchern auch, dass das Nachhaltigkeitsengagement zur übergeordneten Geschäftsstrategie passt. Eine klare und kommunizierbare Nachhaltigkeitsstrategie ist daher unabdingbar, stellt für viele Unternehmen aber eine Herausforderung dar. Fehlende verbindliche internationale Berichtsstandards, Unsicherheit über geeignete Messgrößen und Hürden bei der nahtlosen Integration von Systemen hindern viele Unternehmen, in langfristige Maßnahmen zu investieren.

Zur Studie

Ich habe die BearingPoint Studie von März bis Juli 2011 durchgeführt. Die vollständige Studie "Nachhaltige Energieversorgung 2011/2012 - Nachhaltigkeitsstrategien der Energieversorger und Verbraucherakzeptanz" steht unter unter http://bit.ly/tsOXYo zum Download bereit.

Michael Ryba, Oktober 2011


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