michael ryba

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Blue Hole Backpacker

Ein Reisebericht aus Ägypten


Ägypten 2001

Seitenende

Im Land der Pharaonen

"Ask for Jimmy" sagte Valérie, und schnickte dabei einen Melonenkern in Richtung der im Sonnenuntergang rot glühenden Berge Saudi-Arabiens auf der anderen Seite des Golfs von Aquaba. Hier an der Ostküste des südlichen Sinai ist der Golf nur etwa 15 km breit, und die Berge erscheinen zum Greifen nahe.

Ich hatte Valérie, die lässig auf dem geöffneten Tresen des Tauchcenters der Penguin Divers ihre braunen Beine baumeln ließ, nach einem freien Zimmer gefragt. Das Penguin Village war mir schon am Nachmittag aufgefallen, als ich, gerade in Dahab angekommen, mit meinem Rucksack den Strand entlang wanderte. Hier wollte ich den Rest meines zweiwöchigen Erholungsurlaubes im Land der Pharaonen verbringen, vorzugsweise mehrere Meter unterhalb der Wasseroberfläche und umgeben von exotischen Fischen.

Ägyptisches Museum

No Ticket

Mein erster Schritt auf dem Weg nach Dahab war ein Linienflug von Frankfurt nach Kairo. Dort hatte ich mein Soll als Tourist erfüllt, indem ich mir das (sehenswerte) Ägyptische Museum und das alte Basarviertel angesehen hatte. Ich war um die Pyramiden geritten und hatte den obligatorischen Papyrus- und Parfümladen ("Buy the essence of Egypt - You won't find this in Europe!") besucht.

Nach einer ausreichenden Portion orientalischer Metropole nahm ich den Inlandsflug nach Sharm el-Sheik. Dort hatte ich am Schalter der Delta-Busstation nach einem Busticket nach Dahab gefragt. Die Antwort des Mannes am Schalter war ein lapidares "No ticket", unterstützt durch ein kaum sichtbares Kopfschütteln. "No ticket" - heute nicht mehr? Nie mehr? Für Touristen wie mich nicht? Die Antwort lies Fragen offen, war aber alles, was ich bekommen konnte.

So hatte ich mich eine Zeit lang im Schatten der Bushaltestelle vor der sengenden Mittagssonne versteckt, bis ich glücklich ein reiselustiges New Yorker Pärchen fand, die für einen Tagesausflug ein Taxi nach Dahab gemietet hatten und mich gerne mitnahmen.

Touts

Nur wenige Meter Dahabs konnte ich allein erobern. Mein erster freiwilliger Helfer hieß Sam. Er hatte mit durch langjährigen geschulten Blick durch seine markante Brille, deren Gläser wie der Boden einer Colaflasche aussahen, einen potentiellen Kunden entdeckt. Interessanterweise hatte er offensichtlich einen Optiker gefunden, der für seine Brille einen Sonnenbrillenaufsatz entworfen hatte. Wie erwartet bot er an, mir alle freien Betten des Ortes in beliebiger Preislage vorzuführen.

Ich wusste, dass ich ohne freiwilligen Helfer nicht weit kommen würde, da wenige Meter weiter schon der nächste auf mich wartete. Die "touts" Leben von den Provisionen, die sie für ihre Vermittlungsdienste von den Hotelbesitzern bekommen. Natürlich besteht die Gefahr, diese Provision anteilig im Zimmerpreis wiederzufinden - andererseits hatte ich die Nützlichkeit ihrer Dienstleistung zu schätzen gelernt. Und es kostet sehr viel Mühe, sie loszuwerden.

Seaven Heavens

Dank Sams Unterstützung fand ich schnell eine Bleibe. Ich hatte mir einige Unterkünfte angesehen, war aber nach kurzer Besichtigung wieder gegangen. Die Hotelbesitzer in Dahab sind sehr entgegenkommend und reagieren nicht ungehalten, wenn man ein Zimmer ablehnt. Diese entspannte Grundhaltung ist im Ort allgemein anerkannt, und erleichtert die Zimmersuche für Rucksacktouristen.

Der arabische Besitzer des "Seven Heavens" im Zentrum von Mashraba vermietete mir schließlich ein Zimmer mit Bad für E£10 pro Nacht. Das Zimmer im Erdgeschoss (1. Etage mit Meerblick für E£20 war schon vergeben) war ausgestattet mit zwei Betten inklusive dünner Schaumstoffmatratze, relativ sauberen Bettlaken, einem Ventilator, und das Bad hatte eine (warme!) Dusche.

Es war deutlich zu sehen, dass das Zimmer mal gestrichen worden war. In Ägypten scheint man keine Hemmung beim verteilen von frischer Farbe zu haben. "Hier wird gestrichen," sagt man sich, "und das soll auch jeder sehen." Und zwar noch Jahre später, z.B. auf den Fensterscheiben oder dem Fußboden. Den Ameisen schien es so zu gefallen, ich hatte aber vor, mir etwas mehr Komfort zu gönnen. Daher wollte ich nur eine Nacht bleiben, und den Tag für die Suche nach einer schöneren Unterkunft nutzen.

Tauchbasen

Zum "Seven Heaven" gehörte (wie zu beinahe allen Hotels) auch eine Tauchbasis. "Down Under Diving" wurde von zwei Australiern geleitet, die mir innerhalb einer viertel Stunde ein auf meine Taucherfahrung ausgerichtetes Komplettprogramm (inklusive Rabatt für Hotelgäste) zusammenstellten. Ich war allerdings schon sehr lange nicht mehr getaucht, und daher erschien mir die lockere Art der beiden vollkörpertätowierten Vertreter aus dem Land der Känguruhs nicht vertrauenerweckend genug. "No worries, mate" war auch hier die Antwort auf mein "Ich schau vielleicht später noch mal rein".

In Dahab knattern die Fahnen der Tauchbasen im oft heftigen Wüstenwind fröhlich um die Wette. Dadurch werden aus den fünf PADI-Sternen gelegentlich auch mal drei, was hier aber niemanden sonderlich interessiert. Das angebotene Tauchmaterial war fast durchweg in gutem Zustand, die Tauchguides, mit denen ich getaucht bin, wirkten sehr erfahren. Dennoch muss man in Ägypten in diesem Punkt sehr vorsichtig sein.

Tauchen am Lighthouse

Tauchausrüstung

Meine eigene Tauchausrüstung besteht aus einer Badehose der Marke "Arena", bisher getestete Tauchtiefe 3,50 m. Als reiner Freizeittaucher habe ich mir nie eine üppigere Ausrüstung zugelegt, zumal meine Art zu Reisen kein überflüssiges Gepäck zulässt. Der Nachteil: Ich bin auf eine Tauchbasis angewiesen, die technisch einwandfreies Gerät zu Preisen vermietet, die mit meinem kärglichen Einkommen zu vereinbaren sind.

Vor meinem Abflug aus Frankfurt hatte man mir berichtet, dass man für Ägypten besser schon von Deutschland aus Tauch-Komplettpakete bucht, um astronomische Preisaufschläge am Urlaubsort zu vermeiden. Dies ist für Familien sicher zu empfehlen.

Ich dagegen hatte mich wie üblich dafür entschieden, kein Hotel, Transport und Halbpension zu buchen, und dafür auf das Tauchpaket zu verzichten. Auf diese Weise war ich schon mehrmals gereist, und ich hatte gute Erfahrungen damit gemacht.

Dahab

Dahab - Ko Samui

Vom "Seven Heaven" aus erkundete ich den Ort. Die etwa 500 Meter lange "Strandpromenade" Assalahs (das ehemalige Beduinendorf im nördlichen Teil von Dahab) trennt die zahlreichen Restaurants von den vielen kleinen Hotels. Einen wirklichen Strand gibt es nicht, da das Ufer nahezu vollständig von den Restaurants besetzt ist. In diesen sitzt man nach Beduinenart auf Kissen an niedrigen Tischen auf dem Boden. Strohschirme schützen vor der Sonne, aber nicht vor der durchgängigen Beschallung mit Bob Marley / Cat Stevens / Backstreet Boys. Gerne zeigen sich die Touristen in langen bunten Hosen und/oder Haaren und sonstigen Hippy-Klischees, weshalb die Rucksacktouristen-Bibel "Lonely Planet" Dahab als das "Möchtegern-Ko Samui des Mittleren Ostens" bezeichnet.

Von dieser 70er-Jahre Romantik angezogen werden etwa zweimal am Tag die Touristen der großen Hotels aus Sharm el-Sheik in Busladungen nach Dahab und durch die zahlreichen Souvenirläden geschleust. Vor den Restaurants bemühen sich freiwillige Helfer für wenige Pfund am Tag, die Prada-Sandalen und Lacoste-T-Shirt tragenden Touristen von den Vorzügen des jeweiligen Lokals zu überzeugen, wobei diese sich aber nicht wirklich in Auswahl oder Qualität unterscheiden.

Essen in Dahab

Angeboten werden landestypische Gerichte, wobei der Schwerpunkt beim frischen Fisch liegt. Diesen kann man sich direkt am Restauranteingang aussuchen, wo er auf flachen Regalen ausgestellt liegt. Die Preise bewegen sich um E£10. Besonders üppig ist man im "Shark's", wo die Karte darauf hinweist, dass die Rechnung selbst zu erstellen ist, da sich die Kellner schließlich nicht die Preise der täglich wechselnden Karte merken können. Ich habe oft dort gegessen, aber nie gesehen, wie jemand den Eisbecher zum Dessert, der aus 8 (!) Kugeln Speiseeis besteht, vollständig niedergekämpft hat.

Wer es ein bisschen gediegener haben möchte, geht ins "Lakbatida". Dieses kleine Restaurant liegt etwas abseits vom Ortskern. Die Frontseite des Lokals öffnet sich wie eine Bühne auf das Meer hinaus. Am Abend hebt sich der Vorhang, und die englische Besitzern erklärt den Gästen, was sie sich für den Abend köstliches hat einfallen lassen. Unter E£80 kommt dort keiner raus, der noch einen Rest von Geschmacksknospen mit sich führt.

Penguin Village

Jimmy und das Pinguindorf

Dieses hübsche Restaurant liegt nur wenige Meter entfernt vom Penguin Village. Das Hotel besetzt einen Teil des Strandes etwas südlich vom eigentlichen Ortszentrum Masbat, hat ein eigenes Restaurant und eine Tauchbasis. Dank Valeries Hilfe verschaffte mir Jimmy ein hübsches Zimmer mit Bad für E£25.

Jimmy, ein Typ irgendwo zwischen Bob Marley und Lucky Luke, weiß einfach alles. Eine Kameltour in die Wüste, ein Ausflug die Küste entlang, der nächste Geldautomat (es gibt keinen), die billigste Busverbindung, ein vegetarisches Restaurant - Jimmy kennt es, weiß was es kostet oder wann es losgeht.

Nightdive

Tauchen mit den Pinguinen

Mit den Tauchguides der Penguin Divers konnte ich zweimal am Tag Tauchgänge in die nähere Umgebung unternehmen. Man packt das Tauchgerät und sich selbst auf die Ladefläche eines Pick-Up, und los geht's zum oft nicht mehr als 15 Minuten entfernten Tauchsite. Mahmout, ein ehemaliger Fallschirmspringer der ägyptischen Armee, kannte alle sehenswerten Stellen. Nach meinem ersten Check-Dive führte er mich zu den Fischen des Roten Meeres, die sich wie in einem Zoologie-Handbuch aufgereiht vor meiner Taucherbrille die Flossen reichten. Nur die von mir erhofften Riesen-Mantas bekam ich nicht zu Gesicht. Andere Fische wie der "Spanische Tänzer", der mir bei einem Nachttauchgang am Hotel-Riff etwas träge einen Flamenco vor die Nase setzte, halfen mir darüber hinweg.

Blue Hole

Tauchsites

Am berühmt-berüchtigten Blue Hole begnügte ich mich mit einem leichten, aber dennoch interessanten Tauchgang. Mahmout und ich wählten einen Einstieg etwa 500 m vom Blue Hole entfernt. "The Bells" ist ein schmaler senkrechter Kamin, der mich in 30m Tiefe an den Rand der 170m abfallenden Riffwand führte. An der Wand entlang taucht man bis zum eigentlichen Blue Hole, wo man den Tauchgang im tiefblauen Krater beendet.

Im Tota's, einer Bar im Ortskern in Form eines Dreimasters und einer der drei Orte, wo man Bier bekommt, erzählte mir Jan von den anderen Tauch-Highlights der Gegend. Der Holländer war nach einem Jahr als Tauchguide in Malaysia nach Sharm el-Sheik gekommen, wo er seit 4 Wochen arbeitete. Er wollte in Dahabs Tauchbasen die Nachfrage nach erfahrenen Tauchguides erkunden, da ihm Sharm zu teuer war. Sollte er nichts finden, wollte er sein Studium in Holland wieder aufnehmen.

Jan hatte schon einige Taucher nach Ras Mohammed geführt. In diesem nationalen Marine-Park gibt es mehr als 20 sehenswerte Tauchsites, inklusive eines Schiffswracks, das Hunderte von Toilettenschüsseln auf dem Meeresgrund verstreut hat.

Unweit von Ras Mohammed findet man in einer Tiefe von 17-35m das Wrack der Thistlegorm. Dieses von Cousteau entdeckte Versorgungsschiff der britischen Armee wurde in 2. Weltkrieg mit einer großen Zahl verschiedenster Kriegsausrüstung in den Laderäumen versenkt. Um es zu erreichen, verlässt man Dahab am Abend, und verbringt dann eine kalte Nacht ohne Decken an Bord eines überfüllten kleinen Schiffes. Dafür hat man die Chance, am Morgen der erste am Wrack zu sein, bevor andere Taucher wie Thunfischschwärme in eine überflutete Brotfabrik einfallen.

Leider hatte ich diese Tauchgelegenheiten, ebenso wie die vom Penguin Divers angebotenen Tauchexkursion auf Kamelen, wegen meiner viel zu kurzen Urlaubszeit nicht wahrgenommen.

Wüstenbikes

Good Bye

Jimmy klopfte mir grinsend auf den Rücken, als ich am Abend nach meinem letzten Tauchgang im "Eel Garden" im Penguin Village saß und zusah, wie sich kleine Wellen an der Kante des Hausriffs die Köpfe einrannten. Die Shisha-Raucher, die sich unter einer Palme in Beduinen-Kissen sitzend den langen Schlauch der ägyptischen Wasserpfeife weiterreichten, verbreiteten einen süßen Apfelgeruch in der warmen Abendluft. "You come back. I know."

Michael Ryba, April 2001



Jimmy

Nachtrag 1

August 2001 - Man nimmt immer einen Schluck zuviel. Die letzten Krümel des arabischen Kaffees verteilten sich gleichmäßig in meinem Gaumen und brachten mir freundlich, aber bestimmt in Erinnerung, dass man Kaffeesatz besser nicht mittrinkt. Ich bestellte bei Said einen Mango-Saft zum Nachspülen und rückte ein wenig dem Schatten hinterher, der sich, genau wie ich lässig auf den gemütlichen Kissen des Penguin Restaurants hingestreckt, der Nachmittagssonne erfolgreich entzog.

Als Said mir den Mango-Saft bringt, kommt aus dem Wasser hinter dem Hausriff ein Taucher, der aussieht wie zwei Taucher, bei denen der eine gerade woanders zu tun hat. Er trägt auf dem Rücken zwei Sauerstofflaschen und an seinem Gürtel baumelt noch eine. Seine Ausstattung mit Armaturen würde einen Airbus-Piloten feuchte Hände bekommen lassen. Er stapft an uns vorbei in Richtung Tauchladen und ich bin beeindruckt.

Said zuckt mit den Schultern und sagt: "Das ist Mohammed. Wegen ihm dürfen wir vor dem Tauchladen nicht rauchen."

Später erklärt mir Mohammed, dass er ein zertifizierter "Blender" ist, der eigene Gasgemische abfüllen kann. Was er mir in seiner kleinen Werkstatt neben dem Tauchladen auch gerne zeigt. Da dabei auch reiner Sauerstoff verwendet wird, darf Said in der Nähe nicht rauchen.

Mohammed bietet PADI-Kurse für Nitrox-Taucher und Tec-Diving Kurse an, und gerade hatte er einen neuen Kursteilnehmer gefunden.


Nachtrag 2

Mai 2002 - Ich war mal wieder in Dahab. Viel hat sich verändert, einiges ist besser geworden und einiges schlechter.

Die "Hauptstrasse" wurde inzwischen gepflastert, Autos dürfen nicht mehr passieren. Die typischen Restaurants mit den gemütlichen Beduinensitzkissen sind jetzt nur noch Restaurants mit Tischen und Stühlen.

Alles wird moderner, die Zahl der Internetcafes wächst, und wo die Reise hingeht, ist offensichtlich.



Dune

Wege nach Dahab

Dahab erreicht man am Besten mit dem Flugzeug. Chartergesellschaften fliegen nach Sharm el-Sheik, Linienflüge gehen nur nach Kairo. Egypt Air bietet zweimal täglich Flüge von Kairo nach Sharm el-Sheik (DM305, 1 Std). Von dort fahren täglich Linienbusse nach Dahab (E£15, 1 ½ Std). Alternativ kann man mit Taxifahrern verhandeln (ca. E£150/Taxi).

Es gibt täglich Linienbusse nach Kairo (E£80, 9Std), sowie Minibusse (Preis ca. E£80, 8Std).

Sharm el-Sheik erreicht man auch mehrmals in der Woche per Boot aus Hurghada (US$35, 2 Std mit der high-speed Fähre).

Links nach Dahab (ohne Bewertung)

Penguin Divers

http://www.penguindivers.com/

http://www.dahabtecdivers.com/

Sphinxdivers

http://www.sphinxdivers.de

Club Red

http://www.club-red.com

Inmo Divers

http://www.inmodivers.com

 

Fragen bitte per Mail an: michael.ryba@t-online.de